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Barbara Schnitzler

Gerhard Hauptmann: Mignon

Barbara Schnitzler, in Berlin geboren, erhält ihre Ausbildung zur Theater- und Fernsehschauspielerin an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“. Sie debütiert 1974 am Deutschen Theater mit Gorkis „Die falsche Münze“. Es folgen zahlreiche Rollen in großen Aufführungen. Seit dem Frühjahr 2016 ist sie mit dem Monolog „Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe“ von Peter Hacks an verschiedenen kleineren Theatern des Landes unterwegs.

Barbara Schnitzler verfügt über ein großes Repertoire an Lesungen aus Werken großer Schriftsteller. Nebenher ist sie regelmäßig auch als Synchronsprecherin für den Hörfunk tätig.

„Ich liebe diese Dichtung über alles. Ich bin der Ansicht, dass sie sozusagen ein Finale ist.“ Gerhart Hauptmann über Mignon in Tägliche Rundschau (Berlin) am 11.10.1945

Gerhart Hauptmann (1862 – 1946) gilt als der erfolgreichste Autor des deutschen Naturalismus. Bekannt wurde er vor allem durch sein bedeutendstes gesellschaftskritisches Werk Die Weber (1892). Als Schullektüre lernten Millionen deutscher Schüler die Novelle Bahnwärter Thiel (1887) kennen. 1912 erhielt Gerhart Hauptmann den Nobelpreis für Literatur. In Schaumburg wird bis heute sein Besuch als Kurgast in Bad Eilsen im Jahre 1928 gern erwähnt. 1932 wurde er mit dem Goethe-Preis der Stadt Frankfurt a. M. ausgezeichnet. Während des Luftangriffs auf Dresden im Februar 1945 weilte Hauptmann in Dresden („Wer das Weinen verlernt hat, der lernt es wieder“). Heute ist der Ruhm des auf der Insel Hiddensee begrabenen Dichters verblasst. Sicher zu Unrecht.

Mignon ist Gerhart Hauptmanns letzte vollständig notierte Novelle. Sie entsteht zwischen 1939 und 1944 in mehreren Fassungen. 1947 wird sie posthum veröffentlicht. Der Titel geht zurück auf eine Figur aus Goethes Wilhelm Meisters Lehrjahre. In dem Roman spricht Mignon gebrochen Deutsch mit italienischen und französischen Einsprengseln. Sie gehört einer Gruppe von fahrenden Zirkusleuten an und tritt meist in Verbindung mit einem rätselhaften, geistig verwirrten Harfner auf, einem Bänkelsänger. Als sich herausstellt, dass Mignon Tochter des Harfners aus dessen inzestuöser Verbindung mit seiner Schwester Sperata ist, wird die Familie getrennt. Mignon wird von der Zirkustruppe geraubt. Sie stirbt an der ungestillten Sehnsucht nach ihrer italienischen Heimat und nach Wilhelm Meister, der sie zeitweise in seine Obhut genommen hatte. So weit zu Goethes Roman.

Gerhart Hauptmann öffnet sich in seiner Novelle Mignon einer Welt des Spirituellen und Magischen. Im Zentrum steht eine rätselhafte und unheimliche Begegnung des Ich-Erzählers mit dem verstorbenen Dichterfürsten Goethe sowie den literarischen Figuren des Harfners und Mignons. Die Erzählung mit ihren zahlreichen autobiographischen Anspielungen vermittelt den Eindruck eines stark erinnerungshaften und persönlichen Werkes. Den Schauplatz liefert das Tessin mit dem Lago Maggiore, wohin Hauptmann immer wieder reist. Die Erzählung zeugt von Hauptmanns Goethe-Faszination und -Rezeption. Mit ihren intertextuellen Bezügen weist die Novelle auf das literarisierte Leben des Erzählers hin, dessen Gedankenwelt um die zeitlose Lebendigkeit literarischer Figuren und Goethes Vorstellungen vom Übersinnlichen, von Spiritismus und Seelenwanderung kreist.